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Forschung

 

Forschung am Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung

Die Wirtschaftspädagogik ist national und international Teil der Berufsbildungsforschung (VET – vocational education and training). Nach der vom Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft berufenen Kommission für Berufsbildungsforschung untersucht diese „die Bedingungen, Abläufe und Folgen des Erwerbs fachlicher Qualifikationen sowie personaler und sozialer Einstellungen und Orientierungen, die für den Vollzug beruflich organisierter Arbeitsprozesse bedeutsam erscheinen“ (DFG 1990, S. 1). Auf der theoretischen Basis ökopsychologischer Vorstellungen werden dabei in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik verschiedene Ebenen isoliert. Entsprechend der Systematik der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschung (AG BFN) werden für Forschungsarbeiten in Nürnberg vier Ebenen unterschieden:

  • Forschungsfeld 1 – Lernen für und in wirtschaftsberuflichen Settings (Prozessebene): Business Education
  • Forschungsfeld 2 – Management pädagogischer Institutionen (Institutionsebene): Educational Management
  • Forschungsfeld 3 – Gestaltung des Berufsbildungssystems (Systemebene): VET-Systems
  • Forschungsfeld 4 – Personal- und Professionsentwicklung: Human Resource Development

Im Rahmen des Forschungsfelds 1 „Lernen für und in wirtschaftsberuflichen Settings“ (Business Education) werden die Lernprozesse sowie die darauf abzielenden Lehrprozesse angesprochen (Prozessebene). Dabei findet u. a. eine Orientierung an der pädagogischen Psychologie statt. Der inhaltliche-intentionale Bereich wird dabei abgesteckt durch kaufmännisch-verwaltende Tätigkeiten, wobei jedoch eine erweiterte Betrachtung unter besonderer Berücksichtung von überfachlichen Kompetenzen (z. B. Lernkompetenzen, Methodenkompetenzen) sowie nachhaltigem Wirtschaften (Sustainability) stattfindet. Die Forschung konzentriert in diesem Forschungsbereich auf eine Reihe von Einzelfragen:

  • Gestaltung anwendungsnaher Strategien für die Nutzung ethnisch-kultureller Unterschiede unter Berücksichtigung von Ansätzen des Diversity-Managements sowie die Implementation einer effizienten Klassenführung (Classroom-Management).
  • Prozessorientierte Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen unter besonderer Berücksichtigung von ERP-Systemen
  • Nutzung von Informationstechnik zu Lehr- und Lernzwecken (E-Learning) unter besonderer Berücksichti-gung selbstregulierter Lernprozesse sowie induzierter Effekte auf der institutionellen Ebene, z. B. von Change Management.
  • Gestaltung der Rahmenbedingungen professionellen Handelns in beruflich-instruktionellen Settings unter besonderer Berücksichtigung von sozialen Netzwerken, Sozialkapital sowie Belastung.

Im Rahmen des Forschungsfelds 2 „Management pädagogischer Institutionen“ (Educational Management) wird auf einer höheren Aggregationsebene die Gestaltung von Institutionen mit pädagogischen Kernprozessen angesprochen (Institutionsebene). Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf beruflichen Schulen und Hochschulen. Im Kern handelt es sich um eine institutionelle Betriebswirtschaftslehre, jedoch mit einem Formal- und Sachziel außerhalb der üblichen betriebswirtschaftlichen Betrachtung. Aufgrund dieses Sachverhaltes ergeben sich hier starke inhaltliche Bezüge zum weit ausdifferenzierten Feld der Unternehmensführung und des Dienstleistungsmanagements.

  • Entwicklung von pädagogischen Institutionen unter besonderer Berücksichtigung von Schulmanagement, Schulführung, Schulentwicklung und Change Management (‚intrainstitutionelle Entwicklung’). Dabei liegt ein starkes Gewicht der Forschung auf Fragen neuer Steuerungsmodelle sowie des Qualitätsmanagements in beruflichen Schulen (interne und externe Evaluation) sowie Hochschulen.
  • Gestaltung institutioneller Netzwerke unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenspiels von Ausbildungsbetrieben und berufliche Schulen (Lernortkooperation) sowie regionaler Bildungsnetzwerke (‚interinstitutionelle Entwicklung’).
  • Zu diesem Forschungsbereich gehören auch die Forschungen zur Weiterbildung, zum Weiterbildungscontrolling sowie zum Weiterbildungsmanagement in Klein- und Mittelbetrieben (KMU).

Im Rahmen des Forschungsfelds 3 „Gestaltung des Berufsbildungssystems“ (VET-Systems) wird auf einer weiteren Aggregationsebene das ganze Berufsbildungssystem angesprochen (Systemebene). Zurzeit wird ein besonderes Gewicht auf die Effekte der Europäisierung beruflicher Bildung im Zuge des Kopenhagen-Prozesses gelegt.

Das Forschungsfeld 4 „Personal- und Professionsentwicklung“ (Human Resource Development) liegt in gewisser Weise quer zu den bisher genannten Forschungsbereichen. Gemeinsam ist hier jedoch die Prämisse, dass die in diesem Bereich betrachteten Prozesse Support-Prozesse sind, d. h. ihre Qualität relativ zu den Kernprozessen zu bestimmen ist. Der Schwerpunkt liegt hier einerseits auf klassischer Personalentwicklung als Teil des unternehmerischen Personalmanagements. Andererseits wird die Professionsentwicklung bei pädagogischen Professionals erforscht, unter besonderer Berücksichtigung der Outputsteuerung durch Bildungsstandards sowie der Selbstreflexion, des pädagogischen Selbstkonzeptes und des Konzeptwandels (conceptual change).